Feld
Plattenbaum
neunerfeld
portrait
JOX REUSS, Jahrgang 1941
Staatsbauschule Frankfurt, Fach Hochbau
Staatliche Hochschule für bildende Künste, Städel Frankfurt,
Klasse für Malerei bei Professor Burkart
Seit 1964 freischaffend mit Ateliers in Bad Nauheim
und Friedberg/Ockstadt
M.A. der Société des Artistes Francais, Paris
Bronzemedaille le Salon 2000, Paris
Wetterauer Kulturpreises 2004
Der künstlerische Weg...
Vom Anfang seiner künstler- ischen Tätigkeit an hatte Jox Reuss keine Beziehung zum Tafelbild alten Stils.
Seine Arbeiten bewegten sich immer zwischen Collagen, Materialbildern und Reliefs und traten schließlich in den Raum hinaus, um Plastik zu werden.
Es entstanden ‘Stelenfelder’ aus Beton und Eisen, Kugel- und Platten’bäume’ aus Metall , Eisen'buketts’ und eine Vielzahl verschiedener Kugelplastiken.
Zitat Dr. Fritz Usinger: “ Die künstlerischen Gebilde von Jox Reuss sind Konkreta eigener Art, welche die vorhandene, konkrete Welt nicht abbilden oder imitieren, sondern sie um einige neue Konkreta bereichern wollen. Diese Ding-Gebilde haben keinen psychologischen Bezug auf den Künstler, der sie schuf. Sie sind ganz für sich da und führen eine losgelöste, eigene Existenz. Daher mag auch jene sachliche Heiterkeit rühren, die ihnen eigen ist. “
Schon in den ersten Jahren zeichnete sich Jox Reuss durch eine Ideenfülle aus. Da gab es keine einheitliche Linie, er widmete sich den unterschiedlichsten Sujets. In dieser Zeit gab es fünf, sechs, sieben verschiedene Wege, auf denen er hätte weitermachen können. Das war ungezügelt, ungeordnet, nicht einzuordnen - mithin relativ erfolglos.
...Von dieser Heiterkeit mag sich auch eine Beziehung anspinnen zum Soziologischen. Die Vielgliedrigkeit dieser Gebilde stimmt zusammen mit der Vielgliedrigkeit der menschlichen Gesellschaft und mit der Vielgliedrigkeit einer Welt überhaupt, an deren Erhellung und Erleuchtung diese Gebilde mitzuwirken bereit sind.” An diesen Raumgebilden gab es immer etwas zu drehen, zu verändern, anzustoßen, umzustecken, so dass andere Menschen aktiv mit einbezogen wurden.
Es war eine Phase des Ideensammelns, vielleicht die Zeit des `Künstlers im Wartezustand’.”
 
Da trat 1976 ein Ereignis ein (als hätte er tatsächlich darauf gewartet): Jox Reuss wurde eingeladen, an einer Expedition durch die Ténéré im Niger teilzunehmen. Diese Begegnung mit der Wüste Sahara war einschneidend. Dadurch wurden Denk- prozesse eingeleitet, in denen sich die gesamte bisherige künstlerische Tätigkeit wie in einem Brennspiegel bündelte. Besonders die Eigenschaften des Sandes, sich in den Dünenformen, von scheinbar für die Ewigkeit geschaffener Schönheit, unter Einwirkung des Windes übergangslos in Bewegung zu setzen und in Chaos zu verwandeln, um dann wieder bei Windstille zu ästhetischer Ruhe zurück- zukehren, ist für Jox Reuss faszinierend und bildet den Kerngedanken der daraufhin entstandenen
Sandobjekte.
kugelfeld
Zitat Hedwig Rohde: “Analytisches Denken, handwerkliches Vermögen und ein fundamentales Verständnis für die Nutzbarmachung naturwissenschaftlicher Gesetze prägten ihn schon in dieser Schaffensperiode weitgehend fehlender öffentlicher Resonanz.
Noch etwas erscheint wichtig. In dieser Frühzeit seiner künstlerischen Tätigkeit mag zwar ein sichtbarer roter Faden gefehlt haben, doch Reuss folgte stets unbeirrt seinem eigenen Weg, verfolgte die Gedanken, die sich ihm aufdrängten, völlig unabhängig von Trends, Moderichtungen und Anregungen von außen."
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Zitat Hedwig Rohde: "Vollendete Meisterwerke sind diese Sandbilder und doch gleichsam unfertig. Exakte Berechnungen, die Kenntnis des Gefälles der Dünen, mathematisch- physikalische Gesetzmäßigkeiten, aber auch die so stark empfundene, von der Wüste ausgehende Faszination ebenso wie der spielerische Effekt, alles addiert sich, wird auf wenigen -zig Quadratzentimetern konzentriert: Das Bild ist ein Fenster hinaus auf eine fremde, eine sich ständig verändernde, eine veränderbare Welt, eine Welt, die verändert werden kann und soll."
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In erster Linie also interessiert Jox Reuss das im Fluss bleibende Werden eines Werkes. In den Objekten wird Sand als fließende Farbe verwendet. Durch Drehung werden Farbformen und Farbflächen vom Sand bedeckt oder freigegeben. Dadurch entstehen Kompositionsveränderungen und Farbklang- veränderungen. Über beliebig lang ausgedehnte Ruhephasen kann der Gestaltungsprozess jederzeit neu begonnen werden.
 
Drei Elemente bestimmen also die Sandobjekte
- die Ideen und Vorgaben des Künstlers,
-die Materialeigenschaften des Sandes und
- die Aktivität jedes Betrachters.
 
In den Objekten wird nur Originalsand verwendet, der auf Expeditionen und Reisen gesammelt wird. Etwa 30 weiße bis rostrote Farbtöne stammen aus allen Teilen der Sahara: aus Algerien, Niger, Mauretanien, Mali und Senegal. Die hellgrauen bis schwarzen Farbtöne von den Vulkanen Solfatara, Vesuv, Ätna, Vulcano und vor allem vom Stromboli.

 
Parallel zu den Sandobjekten entstehen seit 1992 Objekte mit drehbaren Farbelementen. Auch hier ist die von Bewegung und Veränderlichkeit ausgehende Faszination wesentlicher Inhalt. Dabei soll die schöpferische Aktivität des Kunstbetrachters in einer nie dagewesenen Weise herausgefordert werden, denn das Werk ist ‘unfertig’, befindet sich im Wartezustand. Diese immer wieder aufs Neue zu vollendende Schöpfung verlangt die Mitarbeit des Betrachters.
In erster Linie also interessiert Jox Reuss das im Fluss bleibende Werden eines Werkes. In den Objekten wird Sand als fließende Farbe verwendet. Durch Drehung werden Farbformen und Farbflächen vom Sand bedeckt oder freigegeben. Dadurch entstehen Kompositionsveränderungen und Farbklangveränderungen. Über beliebig lang aus- gedehnte Ruhephasen kann der Gestaltungs- prozess jederzeit neu begonnen werden.
 
Drei Elemente bestimmen also die Sandobjekte:
- die Ideen und Vorgaben des Künstlers
- die Materialeigenschaften des Sandes und
- die Aktivität jedes Betrachters.
 
In den Objekten wird nur Originalsand verwendet, der auf Expeditionen und Reisen gesammelt wird. Etwa 30 weiße bis rostrote Farbtöne stammen aus allen Teilen der Sahara: aus Algerien, Niger, Mauretanien, Mali und Senegal. Die hellgrauen bis schwarzen Farbtöne von den Vulkanen Solfatara, Vesuv, Ätna, Vulcano und vor allem vom Stromboli.
 
Parallel zu den Sandobjekten entstehen seit 1992 Objekte mit drehbaren Farbelementen. Auch hier ist die von Bewegung und Veränderlichkeit ausgehende Faszination wesentlicher Inhalt. Dabei soll die schöpferische Aktivität des Kunstbetrachters in einer nie dagewesenen Weise herausgefordert werden, denn das Werk ist ‘unfertig’, befindet sich im Wartezustand. Diese immer wieder aufs Neue zu vollendende Schöpfung verlangt die Mitarbeit des Betrachters.
Die Offenheit, Sensibilität und Freiheit des Betrachters ist also in hohem Maße gefordert. Das Einbeziehen des anderen Menschen, der nicht unmittelbar Schöpfer des Kunstwerkes ist, der aber weitgehend durch eigenes kreatives Handeln das Entstehen der Idee nach- und mitvollziehen kann, ist ein Hauptbestandteil der Arbeiten von Jox Reuss.
 
Zitat Erich Fitzau: "Bei Cezanne, also an der Wende zur Moderne, am Anfang dieses Jahrhunderts, gewinnt das Bild seine eigene Ordnung. Die Entwicklung geht dann dahin, dass das Bild das Objekt nicht mehr abbildet, sondern selbst zum Objekt wird, und die Perspektive ihren eigentlichen Sinn verliert.
 
Bei den Bildern von Reuss spielt die Perspektive selbstverständlich keine Rolle mehr. Die Bilder von Reuss sind vielansichtig. Nicht nur, dass seine Bilder eigenständig sind, die jüngsten Bilder haben auf Grund ihrer Mehransichtigkeit, es gibt kein oben und kein unten, kein links und kein rechts, gewissermaßen mehrere Eigenständigkeiten.
Und da zeigt es sich, dass Reuss, vielleicht unbewusst, die Zeichen der Zeit aufnimmt.
Wir wissen seit Einstein und Heisenberg, dass eindeutige Aussagen in der Physik nicht mehr gemacht werden können; Ratio und Mythos werden gleichberechtigt nebeneinander gestellt. Verknüpfung, Vernetzung wird gefordert, kein Subjekt - Objekt - Verhältnis, kein Dualismus.
Und solche Ideen sind es auch, die sich in den Bildern von Reuss spiegeln. Die Vieldeutigkeit seiner Bilder kann als Entsprechung zu dem vieldeutigen Weltbild unserer Zeit angesehen werden."
 
Für den Betrachter der Objekte bedeutet dies, dass er aus der Geschlossenheit des Gewohnten und Gewöhnlichen herausgeführt wird in die Offenheit des Ungewohnten und Ungewöhnlichen.